14. September 2017 | Lesezeit: 7 Minuten

Wein ist eine Wissenschaft für sich – fast jeder weiß, ob er Rot- oder Weißwein bevorzugt, doch bei Anbaugebieten, Aromen und Tanninen überlassen wir das Feld meist den Experten. Zum Genuss einer guten Flasche Wein müssen Sie auch sicher kein Sommelier sein. Als leidenschaftliche Gastgeberin planen Sie aber schließlich auch das Essen bis ins kleinste Detail – wenn Sie also genauer wissen wollen, mit welchem guten Tropfen Sie Ihre Gäste am besten verwöhnen und welche Gläser auf dem » liebevoll gedeckten Tisch die richtigen sind, lesen Sie weiter! Wir haben Ihnen ein kleines Wein-1×1 zusammengestellt, mit dessen Hilfe Sie Ihre Gäste beim nächsten Festessen mit Fachwissen überraschen können!

Weintrauben sind klein, sehr süß, haben viele Kerne und eine dicke Haut.

Von der Traube zum Wein

Dass Wein aus Trauben gewonnen wird, weiß jeder. Die Trauben sind allerdings nicht dieselben, die wir dekorativ in schönen » Schalen als Vorspeise zum Käse servieren – „Wein“-Trauben sind klein, sehr süß, haben viele Kerne und eine dicke Haut. Schale und Kerne werden bei Rotwein-Rebsorten mit vergoren und sorgen damit für die tolle Farbe. Außerdem enthalten sie die berühmten Tannine: Das sind pflanzliche Gerbstoffe, die den Wein haltbar machen, ihm einen Teil seiner individuellen Aromen verleihen und zu deren Entfaltung im Mund beitragen. Tannine pur sind allerdings nicht so lecker – wenn Sie es genauer wissen möchten, legen Sie sich einen nassen Schwarzteebeutel auf die Zunge. 😉
Weißweintrauben werden gleich nach der Ernte gepresst, und es wird nur der Saft vergoren, sodass der Wein eine helle oder goldene Farbe erhält. Somit ist ein Weißwein leichter, hat kaum Tannine und auch weniger Alkohol. Dafür hat er mehr Säure und ist angenehm frisch und spritzig.
Es gibt sortenreine Weine oder Mischungen verschiedener Rebsorten, so genannte Verschnitte oder Cuvées. Das ist kein qualitativer Makel, sondern eine gezielte und harmonische Kombination verschiedener Trauben.

Jede Rebsorte hat ihren eigenen Geschmack – bei einer Weinverköstigung können Sie die verschiedenen Aromen kennenlernen.

Weinaromen: Zitrone, Pilze, Tabak…wie bitte?

Wenn Weinkenner von Tabak, Beeren und sogar Käserindenaroma eines Weins sprechen, schüttelt man als Laie gern den Kopf. Diese Beschreibungen sind aber vergleichende Dufteindrücke oder Geschmacksnoten, für die es sonst keine Worte gibt. Sie können einen Wein natürlich auch genießen, ohne die komplexe Aromastruktur bis ins letzte Detail zu erkennen. Doch je mehr man darauf achtet, desto besser kann man den ganz eigenen Charakter jedes Weins erkennen – probieren Sie es einfach mal aus!
Die Aromen entstehen durch drei verschiedene Faktoren. Zuerst bringt jede Rebsorte ihren eigenen Geschmack mit, der von Boden und Klima des Anbaugebiets sowie von der Pflege und Reife des Rebstocks abhängt. Weitere Aromen entstehen während der Gärung, und zu guter Letzt trägt die Reifung im Fass mit Holzart und Aufenthaltsort zum Duft und Geschmack des Weins bei.

Im Gegensatz zum Weißwein bringt Rotwein fast immer Aromen von dunklen Beeren mit.

Schneeweißchen…

Typische Weißweinaromen sind Zitrusfrüchte, Pfirsich oder Apfel. Beliebte Weißweinrebsorten sind zum Beispiel der Chardonnay, der zusätzlich oft Walnuss- und Karamellnoten aufweist. Der üppige Sauvignon Blanc bringt Grastöne und Minze mit, ein harmonischer Pinot Grigio, auch Grauburgunder genannt, mischt florale Aromen wie Rose in sein trockenes Bouquet und ein spritziger Riesling bringt Kräuteraromen mit.

… und Rosenrot

Rotweine haben fast immer Aromen von dunklen Beeren. Beliebte Rebsorten sind der lebhafte Cabernet Sauvignon mit Leder- und Tabaknoten und viel Tanninen, und der süffige Spätburgunder, der mit weniger Tanninen samtig nach Beeren und Nelken schmeckt und auch als Pinot Noir bekannt ist. Ein vollmundiger Merlot weist oft Noten von Pflaume und Pilzen auf und der elegante Syrah bringt bei mittleren Tanninen Pfeffer und Zedernholz mit. Schmecken Sie doch mal nach!

Und was ist eigentlich ein Rosé?

Ein Roséwein ist keine Mischung aus Rot- und Weißwein. Stattdessen werden Rotweintrauben wie Weißweintrauben behandelt und ohne Schalen vergoren. Eine andere gängige Methode ist es, bei der Rotweinherstellung schon nach wenigen Stunden einen Saftabzug zu machen.

Sowohl Weißwein als auch Rotwein wird in vier Qualitätsstufen unterteilt.

Wein ist nicht gleich Wein

Sowohl Weiß- als auch Rotwein wird in vier Qualitätsstufen unterteilt. Tafelwein darf nur aus zugelassenen Rebsorten gekeltert werden, hat aber sonst die geringsten Anforderungen zu bestehen und ist dementsprechend günstig. Landwein muss zusätzlich eine geschützte geografische Angabe aufweisen und diese auf dem Etikett anzeigen. Sogenannter Qualitätswein macht die größte Gruppe der in Deutschland verkauften Weine aus und ist die richtige Wahl für die meisten Anlässe. Der Qualitätswein hat eine amtliche Prüfung bestanden und weist eine Prüfnummer auf dem Etikett auf.
Prädikatswein hat die höchste Qualitätsstufe, denn er muss zusätzlich zur Qualitätsprüfung verschiedene Prädikate, zum Beispiel Trauben aus der Spätlese, aufweisen. Das heißt, dass er aus überreifen Trauben hergestellt wurde, die ihm spezielle Aromen und eine besondere Süße verleihen.

Im KLINGEL-Magazin verraten wir Ihnen, welcher Wein zu welchem Essen passt.

Gleich und gleich gesellt sich gern – Wein zum Essen

Jetzt können Sie zwar mit einem Wein-Grundwissen aufwarten, doch Ihrem Festmahl hilft das noch nicht weiter – welcher Wein passt denn nun zum Essen?
Grundregel Nummer Eins: Trauen Sie Ihrem Bauchgefühl! Sie müssen keine Weinexpertin sein, um Geschmack zu haben, und haben sicher schon das ein oder andere gelungene Abendessen ausgerichtet.
Grundregel Nummer Zwei: Wählen Sie den Wein passend zur Hauptzutat des Essens – bei Nudelgerichten ist das die Sauce. Dabei gilt: Je üppiger das Essen, desto schwerer, also tannin- und alkoholreicher der Wein. So erreichen Sie eine harmonische Kombination, in der weder das Essen den Wein übertönt, noch der Wein das Essen in den Schatten stellt.
Und zum Dessert? Da gilt ebenfalls: Süßes mit Süßem vergelten. Zu elegant serviertem Schokoladenkonfekt passt ein edler Dessertwein, also ein Wein, der aus vollreifen Trauben gewonnen wird und eine hohe Restsüße hat.
Ob ein Wein trocken, halbtrocken, lieblich oder gar süß ist, hängt übrigens mit dem Restzuckergehalt zusammen. Je weniger Zucker, desto trockener der Wein.

Die Form eines Weinglases hat mit dem Sauerstoff zu tun, den der Wein zum Atmen braucht.

Welches Glas für welchen Wein?

Die Form eines Weinglases hat mit dem Sauerstoff zu tun, den der Wein zum Atmen, also zur Entfaltung seiner Aromen braucht. Das gilt in erster Linie für den Rotwein – die starken Aromen dieser geschmacksintensiven Weine können über eine große Oberfläche besser zur Geltung kommen. Deshalb haben Rotweingläser einen breiteren Kelch. Am besten lassen Sie Rotwein schon in der Flasche etwa 20 Minuten atmen. Das gilt allerdings nicht für richtig alte Weine: Diese trinkt man gleich nach dem Öffnen, sonst fällt das Aroma in sich zusammen.
Für Weißwein bestimmte Gläser sind meist etwas schmaler, da die weniger intensiven Aromen auch weniger Luft benötigen. Wenn Sie also nur in ein Gläserset investieren möchten, empfehlen wir Ihnen ein zeitloses » Rotweingläserset, aus dem Sie ohne weiteres auch Weißwein genießen können. Wer mit der Zeit zum richtigen Weinkenner avanciert, kann dann immer noch spezielle Gläser für die Lieblingsrebsorte erstehen.
Gehalten wird ein Weinglas übrigens weit unten am Stiel, damit der Wein sich nicht erwärmt und die richtige Trinktemperatur erhalten bleibt.

Ein schöner Weinkühler sorgt dafür, dass sich der Wein bei Tisch nicht erwärmt.

Apropos Temperatur…

Obwohl jede Rebsorte ihre eigene ideale Trinktemperatur hat, die manchmal auch auf dem Etikett angegeben ist, gilt als Faustregel:
Weißweine werden bei 8-10 Grad Celsius, Rosé und liebliche Rotweine bei 12-14 Grad genossen. Für kräftigere Rotweine sind 16-18 Grad ideal, alte Rotweine trinkt man sogar bei 18-20 Grad. Ein schöner » Weinkühler sorgt dafür, dass sich der Wein bei Tisch nicht zusätzlich erwärmt – und ist ein richtig toller Hingucker!
Das Einschenken des Weins ist ebenfalls eine Kunst für sich. Sie dürfen aber schummeln – ein » Flaschenausgießer lässt das schöne Ritual zum Kinderspiel werden.
Lagern sollten Sie Wein übrigens tatsächlich liegend. Schuld daran ist der Korken, durch den im trockenen Zustand Sauerstoff in die Flasche gelangen kann und der deshalb immer von innen benetzt sein sollte. Ein » Weinregal an einem kühlen und trockenen Ort ist ideal.

Haben Sie Lust bekommen, ein wenig zu experimentieren? Wer mehr erfahren will, kann sich im Weinladen beraten lassen oder sogar an einem Weinseminar teilnehmen. Und selbst wenn Sie keine Expertin werden: Es macht richtig Spaß, gemeinsam mit Freunden und Familie um den schön gedeckten Tisch zu sitzen, köstlich zu essen und dabei über die Aromen im guten Glas Wein zu rätseln. Wir wünschen viel Spaß und fröhliches Zusammensein!

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