Jeans - die Geschichte eines Modestücks mit Kultstatus


Abbildung 1: Im Laufe der Zeit hat die Jeans sich zum echten Kultobjekt entwickelt.

Beinahe 150 Jahre gibt es sie schon - die Jeans. Und wohl jeder hat mindestens eine, wenn nicht sogar mehrere im eigenen Schrank. Doch wie entstand die Jeans und wie wandelte sich ihre Optik im Laufe der Zeit? Der folgende Beitrag beleuchtet die Entstehungsgeschichte des modischen Kultobjektes. Angefangen als einfache Arbeiterhose für Goldgräber und Cowboys avancierte die Jeans nach und nach zum modischen Must-Have und wird heute auf der ganzen Welt nicht nur getragen, sondern auch geliebt.


Knapp die Hälfte aller Frauen kauft sich pro Jahr zwei bis drei Jeans.

Levi Strauss und der Baumwollstoff aus Genua

Levi Strauss ist der Urvater der Blue Jeans. Der in Franken geborene Händler wanderte 1847 nach San Francisco aus und verdiente sein Geld mit der Fertigung robuster Arbeitskleidung für Goldgräber. Der verwendete Baumwollstoff stammte aus der italienischen Stadt Genua. Die amerikanische Umgangssprache wandelte die französische Bezeichnung Genuas, also „Gênes“, in „Jeans“ ab. So entstand der Name der Kulthose, die auch fast 150 Jahre später aus der Modewelt einfach nicht mehr wegzudenken ist.

Doch nicht von Anfang an produzierte Levi Strauss die Blue Jeans. Zu Beginn seiner Karriere stellte er Hosen aus Segeltuch und ohne die typischen Nieten her. Eines Tages wandte sich der mittellose Schneider Jacob Davis an Levi Strauss. Er hatte die Idee, die Nähte von Hosen mit Nieten zu verstärken, um sie so robuster zu machen. Für die Anmeldung des Patents fehlten ihm aber die finanziellen Mittel. 1872 verstärkten der Händler und der Schneider die aller erste Hose mit Nieten und ein Jahr darauf folgte auch schon das gemeinsame Patent von Strauss und Davis. Damals bestanden die Hosen, wie erwähnt, noch aus braunem Segeltuch, welches jedoch schnell von dem mit Indigo gefärbten blauen Baumwollstoff namens Denim abgelöst wurde. Auch die typischen orangefarbenen Nähte wurden daraufhin eingeführt. In einem rasanten Tempo verbreitete sich die Jeans in Nordamerika und war vor allem bei Cowboys, Eisenbahnleuten, Farmern und Handwerkern beliebt.


Abbildung 2: Es waren die Cowboys, die die Blue Jeans bei der breiten Bevölkerung so beliebt machten.

Mit dem aufkommenden Wohlstand im Jahr 1920 setzte sich die Jeans auch als Freizeithose durch. Es wurde Trend, unter reichen Amerikanern, Ferien auf Ranches zu machen und Cowboys bei der Arbeit zuzusehen. So entstand wohl die Begeisterung für die robusten Hosen. Dank der nun größeren Zielgruppe wurde auch das erste Jeans-Modell für Frauen entworfen. Die „Levis Lady L“. Bis in die 1950er Jahre entwickelte sich das Design kaum weiter, obwohl neue Hersteller, wie Wrangler und Lee auf den Markt kamen. Unisex Standardformen, wie straight cut und boot cut Hosen machten den Großteil der Jeansmode aus.

Die Nachkriegszeit und die Jeans als Kleidungsstück der rebellischen Jugend

Die überschüssigen Armeejeansbestände von Levis, Wrangler und Lee wurden in der Nachkriegszeit in Westeuropa in speziellen Army Shops verkauft. Vor allem die Jugend interessierte sich für die Hosen, sah sie in ihnen doch ein Element der Abgrenzung und des Protestes. Die Jeans wurden mit Fransen oder selbst gestanzten Nieten zusätzlich verziert, was sich Rockergruppen und andere Gangs in den 1960ern und 1970er ebenfalls zu Eigen machten. Dass sich die Jeans bei der Jugend so großer Beliebtheit erfreute und schließlich zum Kultobjekt avancierte, ist auch der Film- und Musikbranche zu verdanken, die den amerikanischen Lebensstil nach Westeuropa brachte. Die westeuropäischen Hersteller wollten an dem Erfolg teilhaben und entwarfen fortan ihre eigenen Jeansmodelle.

Die neue Jeansmode in den 1970er und 1980er Jahren.

Die Schlagjeans gehörte zu den wilden Siebzigern einfach dazu. Die am Unterkörper und an den Oberschenkeln eng geschnittene Hose wird ab den Knien deutlich weiter und kann, je nach Schnitt, auch schon mal den ganzen Schuh unter ihrem Stoff verschwinden lassen.

Während die Jugend auf neue Schnitte setzte, fand die klassische Jeans nun auch bei der älteren Bevölkerung Anklang und verbreitete sich durch alle Bevölkerungsschichten. Aus der ehemaligen Arbeiterhose war Alltagsmode geworden. Dies führte dazu, dass immer neue Schnitte und Stoffe zum Einsatz kamen und die Jeansmode laufend vielseitiger machten.

Ende der Siebziger erblickte die erste Röhrenjeans das Licht der Welt. Die durchgehend eng geschnittene Hose war fortan ein fester Bestandteil der Jeansfamilie. Während frühe Modelle einfach nur wie zu enge Hosen aussahen, gelang es den Herstellern nach und nach immer besser, die Konturen des Körpers mit Hilfe der hauteng sitzenden Hosen nachzuzeichnen. Kein Wunder, dass sich die Röhrenjeans bis heute, vor allem bei Frauen, großer Beliebtheit erfreut, betont sie doch perfekt die weiblichen Kurven.

In den 1980er Jahren kam dann die so genannte Karottenjeans auf den Markt. Typisch für dieses Modell waren der hohe Bund und der nach unten konisch zulaufende Schnitt. Im Vergleich zur Röhrenjeans hatte die Karottenjeans eine lockere Passform, verstand es aber, die Taille optimal zu betonen. Viele Designer beschäftigten sich mit der „Karotte“ und verkauften ihre Kreationen zu horrenden Preisen an die reiche Schickeria.

Die Zeit der 1980er war auch die Zeit des Aufkommens der blue stoned oder auch blue bleached Jeans. Jeans wurden chemisch oder auch mechanisch, zum Beispiel durch das Waschen mit Steinen, gebleicht. Seit dem hat sich die Farbpalette der Blautöne deutlich erweitert und Jeans sind von dunklem Blau, also dark blue Denim, bis hin zu so zarten Blautönen, dass diese fast schon weiß wirken, erhältlich.


Abbildung 3: Die Farbpalette der Jeans erweiterte sich in den 1980ern.

Zudem kommt in den 1980ern der used Look in Mode. Dabei handelt es sich um Jeans, die schon beim Kauf gebraucht wirken, etwa weil sie über Löcher oder abgeriebene Stellen verfügen. Vor allem in der Jugend- und Punkszene konnten die Hosen gar nicht zerfetzt genug sein.

Doch nicht alle Jeans mussten unbedingt blau sein, auch andere Farben, wie Bordeauxrot oder auch Schwarz oder Grau Denim wurden zunehmend gefragter.

Die 90er Jahre und das Aufkommen der Baggy-Jeans

Anfang der 90er Jahre wurde die enge Röhrenjeans von der extrem weiten Baggy-Jeans abgelöst. Vor allem bei Skatern war diese sehr locker sitzende Hose beliebt, da sie es ihnen ermöglichte, ihre Protektoren, die sie zum Schutz beim Skaten nutzten, unter der Kleidung zu tragen.


Abbildung 4: Die Baggy-Jeans hat ihren Ursprung in der Skaterszene.

Dass diese Hosen zusätzlich sehr tief getragen wurden, geht wahrscheinlich auf amerikanische Straßengangs zurück. Wurden Missetäter über Nacht inhaftiert, wurde ihnen der Gürtel abgenommen, um einem Suizidversuch vorzubeugen. Die breiten Hosen hingen also besonders tief. Um anderen Personen zu zeigen, dass der Träger ein besonders „harter Junge“ war, wurde es Mode, die Gürtel nicht nur im Gefängnis, sondern auch im Alltag, abzulegen. Vor allem durch die Hip-Hop Kultur schwappte dieser Trend schließlich auch nach Westeuropa und Jugendliche erlaubten es fortan jedem, ob gewollt oder nicht, dank ihrer tief sitzenden Hosen, einen Blick auf ihre Shorts zu werfen.

Doch nicht alle trugen Baggy-Jeans. Die Schlaghose erlebte ihr Come-Back. Während sie in den 70er Jahren noch ein Unisex Modell war, wurde sie in den 90er Jahren bevorzugt von Frauen getragen.

Das neue Jahrtausend und die neue Vielseitigkeit


Die Jeans schafft es in Punkto Sexappeal auf Platz zwei und schlägt somit sogar den Rock.

Ab den 2000ern besann sich die Modeindustrie auf die Jeans-Modelle der 1970er und 80er zurück. Die Röhrenjeans kam zurück und hat sich seitdem ihren dauerhaften Platz in der Modewelt gesichert. Zudem kam die Hüftjeans in Mode. Der Bund dieser Jeans sitzt sehr tief, die Oberschenkel sind eng geschnitten und nach unten hin wird die Hose etwas weiter, ohne jedoch zu sehr an Schlaghosen zu erinnern. Jugendliche begannen einfach, den Bund ihrer alten Jeans abzuschneiden und sie so zu Hüfthosen umzufunktionieren.

Seit 2010 zeichnet sich die Jeansmode durch noch mehr Vielfältigkeit aus. Unterschiedliche Schnitte, wie die 7/8 Jeans, verschiedene Farben, wie Jeans in Silbergrau oder ganz neue und besonders bequeme Modelle, wie Jeansleggins, kommen auf den Markt.


Abbildung 5: Die Jeansmode ist heute so vielseitig wie nie.

 Jeans, die auf unterschiedliche Weise künstlich behandelt werden, liegen weiterhin im Trend. Genauso sind Applikationen, wie Strasssteine, Reißverschlüsse an den Fußenden oder auch Stickereien, vor allem auf den Gesäßtaschen, gefragter denn je. Auch der Used Look findet weiterhin Anklang und trägt seinen Teil zum Facettenreichtum der heutigen Jeansmode bei.

Die Jeans ist ein traditionsreiches Kleidungsstück, das früher wie heute zu Recht Kultstatus genießt. Im Laufe der Jahrzehnte hat sie starke Wandlungen erfahren und die Karriere von einer einfachen Arbeiterhose bis hin zum Designobjekt geschafft. Heute kommt die Jeans in einer nie da gewesenen Vielfältigkeit daher und ermöglicht es so jedem, seinem individuellen Stilempfinden Ausdruck zu verleihen. Jeans können als lässige Freizeitmode zum Einsatz kommen, kombiniert mit einer schicken Bluse oder einem edlen Blazer als Business-Outfit dienen oder zusammen mit High-Heels und Top zum Hingucker auf der Tanzfläche werden. Die zahlreichen Schnitte ermöglichen es darüber hinaus, die persönlichen Vorzüge zu betonen und beispielsweise eine schmale Taille, lange Beine oder einen formschönen Po perfekt hervorzuheben. Zudem lassen sich, dank der raffinierten Passformen, auch kleine Problemstellen gut kaschieren.

Die Jeans wird wohl auch in Zukunft ein fester Bestandteil der Modewelt bleiben. Bleibt abzuwarten, welche neuen Facetten die zukünftige Jeansmode bereithält.

Weitere interessante Informationen zum Thema Jeans erfahren Sie in unserer interaktiven Jeans Infografik.

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