Konfektionsgröße weltweit - welche Größe Mann und Frau in welchem Land trägt?


Abbildung 1: Was der Schaufensterpuppe passt, muss einem selbst nicht auch auf Anhieb passen.

Wer kennt es nicht? Am Mannequin sah der Rock noch so schick aus und beim Anprobieren war er dann doch zu klein und fiel gar nicht mehr so locker-leicht.  

Beim Einkaufen sind Konfektionsgrößen ein wichtiger Faktor, ob das Kleidungsstück zum Anprobieren mit in die Kabine genommen wird oder auf dem Haken verbleibt. Ob S, M, L, XL oder 38, 40, 42 – es gibt unterschiedliche Methoden, um die Größe von Hosen, T-Shirts oder Jacken zu kennzeichnen. Dabei scheinen die Buchstaben und Zahlen bei jedem Hersteller etwas anderes zu bedeuten und so bleibt beim Shoppen kaum eine andere Wahl, als das begehrte Kleidungsstück dennoch in mehreren Größen anzuprobieren.

Das Problem mit den Konfektionsgrößen besteht auch darin, dass die Hersteller mit Idealmaßen und entsprechend perfekten Proportionen arbeiten; sehr zum Leidwesen beispielsweise von Frauen mit großer Oberweite oder Männern mit langen Armen oder Beinen. Hier hat eine Hose in der gewünschten Länge dann oftmals eine viel zu große Hüftweite oder das Oberteil sitzt zwar schön am Busen, schlackert aber um die Taille.

Besonders kritisch wird es dann auch noch beim Shoppen in anderen Ländern, wenn auf dem Etikett plötzlich die Zahlen entweder überraschend niedrig ausfallen oder die gewohnte Größe 38 partout nicht mehr passen will.

Die Geschichte der Konfektionsgröße

1799 eröffnete in Hamburg das erste Konfektionshaus Deutschlands und die maschinelle Serienfertigung von Kleidung begann. Bis ins 20. Jahrhundert hinein allerdings wurde Kleidung weiterhin von Hand und nach Maß hergestellt. Erst mit weiter fortschreitender Industrialisierung und einhergehender Massenproduktion von Kleidungsstücken wurde es notwendig, einheitliche Größen zu nutzen. Bis 1960 führte jeder Hersteller ein eigenes System für seine Kleidergrößen. Wer es sich leisten konnte, ließ die Kleidung ohnehin maßanfertigen. Seit 1960 werden nun in unregelmäßigen und großen Abständen Reihenvermessungen durchgeführt, um die durchschnittlichen Körpermaße der Deutschen zu erfassen und auszuwerten.

2007 und 2008 wurde zuletzt eine Messung unter dem Namen der Studie „Size Germany“ durchgeführt. Hier wurden etwa 13.400 Frauen, Männer und Kinder zwischen sechs und 87 Jahren mit einem 3D-Körperscanner vermessen, um der Modeindustrie aktuelle Daten zur Überarbeitung der Konfektionsgröße zu liefern. Die vorige Messung fand nämlich 1994 statt und seitdem haben sich die Körperformen der Deutschen sichtbar verändert. Der Taillenumfang nahm durchschnittlich um etwa vier Zentimeter zu, der Brustumfang um etwa zwei Zentimeter. Bei Männern nahm der Brustumfang sogar um etwa sieben Zentimeter zu, während der Taillenumfang um viereinhalb Zentimeter anwuchs. Auch die Körperhöhe ist bei beiden Geschlechtern etwas angestiegen.

Von dieser Messung konnten allerdings nicht alle Textilhersteller profitieren, denn nur jene, die die 1,5 Millionen Euro teure Studie mitfinanziert hatten, bekamen auch Einsicht in die Ergebnisse.

Das große Problem ist, dass diese Vorgaben nicht verbindlich sind und Hersteller entsprechend ihre eigenen Konfektionsgrößen anfertigen. Hinzu kommen noch Unterschiede im Design für die jeweilige Zielgruppe. Ein Top mit der Größe 38, das für Teenager gedacht ist, muss einer Seniorin, die für gewöhnlich 38 trägt, noch lange nicht passen.

Bei Kindern gilt in Deutschland noch ein anderes System. Die Konfektionsgröße richtet sich hier nach der Körperhöhe. So ist die Größe 128 für Kinder um die 128 Zentimeter Größe gedacht.

EU-weit wird seit Jahren in einer Arbeitsgruppe an einheitlichen Konfektionsgrößen gearbeitet, doch bislang ist noch kein Ergebnis absehbar. Insbesondere Frankreich und Italien, beides Herkunftsländer weltweit bekannter Designer, fürchten bei normierten Größen den Verlust ihrer Kreativität. Großbritannien hält darüber hinaus an Inch als maßgebliche Einheit fest.

Wer im Ausland Kleidung kaufen möchte, sollte sich also unbedingt im Vorfeld über die unterschiedlichen Konfektionsgrößen informieren und am besten eine Vergleichstabelle nutzen, um unnötig langes Herumprobieren zu vermeiden. Viele international bekannte Hersteller vermerken allerdings inzwischen auf ihren Etiketten die jeweils länderüblichen Größen. Wer ganz sicher gehen möchte, hat seine Körpermaßen im Kopf und kann im jeweiligen Geschäft anhand von dort meist aushängenden Tabellen seine entsprechende Größe ermitteln.

Übersicht Damengrößen

Übersicht Herrengröße

Wie sich die Konfektionsgröße errechnet

Die Faustregel zur Errechnung der Konfektionsgröße funktioniert folgendermaßen:

Bei Damen werden von dem Ergebnis sechs abgezogen.

Beispielrechnung Herren: Brustumfang von 88 Zentimetern -> 88/2 = 44

Beispielrechnung Damen: Brustumfang von 88 Zentimetern -> 88/2 – 6 = 44 – 6 = 38

Die ausführliche Berechnung korreliert je nach Kleidungsstück natürlich noch mit vielen weiteren Faktoren:

  • Kopfumfang
  • Halsumfang
  • Schulterbreite
  • Brustumfang (bei Frauen)
  • Unterbrustumfang
  • Taillenumfang
  • Armlänge
  • Hüftumfang
  • Handumfang
  • Bein-/ Schrittlänge
  • Körpergröße

Einige Hersteller bieten inzwischen neben Kleidung in Norm-Konfektionsgrößen auch solche in K- und L-Größen an, doch diese sind die Ausnahme und gerade in Ladengeschäften nur selten zu finden. Während sich N-Größen bei Damen an einer Körpergröße zwischen 165 und 172 Zentimeter orientieren, richten sich K-Größen (K = Kurz) an Personen mit einer Größe unter 165 Zentimeter und L-Größen (L = Lang) an größere Frauen über 172 Zentimeter Körpergröße. K- und L-Größen werden zur Unterscheidung in andere Zahlengrößen unterteilt als die N-Größen.

Die Konfektionsgröße für Oberbekleidung wie T-Shirts und Jacken berechnet sich für Damen aus den Angaben für Brustumfang, Taillenumfang und Hüftumfang. So entspricht eine Normgröße 40 einem Brustumfang von 90 bis 94 Zentimetern, einem Taillenumfang von 78 bis 82 Zentimetern und einem Hüftumfang von 98 bis 101 Zentimetern.

Da bei Herren der Unterschied zwischen Hüfte und Taille meist nicht so stark ausgeprägt ist wie bei Frauen, sind für das Ermitteln der Konfektionsgröße Brustumfang und Taillengröße in der Regel ausreichend. Bei Hemden ist noch die Kragenweite wichtig.

Für einen idealen Sitz der Oberbekleidung spielt allerdings auch die Körpergröße noch eine Rolle.

Weitere Größentabellen für Damenmode finden Sie hier.

Bei den Herren wird teilweise sogar in vier unterschiedliche Größen eingeteilt:

  • Normale Größe
  • Lange Größe (Auch S-Größe)
  • Bauchgröße
  • Kurze Größe (Auch U-Größe)

Weitere Größentabellen für Herren finden Sie hier.

Hosen


Abbildung 2: Hosengrößen richten sich meist nach dem amerikanischen System.

Hosengrößen richten sich auch in Deutschland inzwischen immer häufiger nach dem amerikanischen System. Hier wird die Größe in Inch (Zoll) angegeben für den Bundumfang und die Beinlänge. Ein Inch entspricht 2,54 Zentimetern. Wichtig: Die entsprechende Größe wird für die Länge an der Innenseite der Hose gemessen und bezieht sich nicht auf die gesamte äußere Beinlänge. Eine typische Größenbezeichnung für eine Jeans ist also in zwei Zahlen aufgeteilt; beispielsweise 32/34, wobei 32 für die Bundweite steht und 34 für die Beinlänge. Die entsprechende Hose aus dem Beispiel wäre für Personen gedacht mit einer Bundweite von etwa 81 Zentimetern und 86 Zentimetern Beinlänge.

Wird die Größe in der üblichen Konfektionsgröße mit nur einer Zahl angegeben, spielt bei der Messung für die Bundweite der Taillenumfang eine Rolle, nicht wie fälschlicherweise oft angenommen der Hüftumfang.

Daraus ergibt sich folgende Tabelle für durchschnittliche Hosengrößen bei Damen:

Für Herren ergibt sich folgende Tabelle:

Schuhgrößen

Schuhgrößen sind in den EU-Ländern normiert mit Ausnahme von Großbritannien. Für die Ermittlung der Größe wird die Länge des Fußes herangezogen. Während in Europa die Schuhgrößen für beide Geschlechter gelten, werden in den USA und Großbritannien unterschiedliche Größen für Herren und Damen angegeben.

Größentabelle Damen:

Größentabelle Herren:

Viele Zahlen und oftmals viel Verwirrung; bleibt nur zu hoffen, dass sich dank des immer stärker globalisierten Marktes normierte Größen auch über Ländergrenzen hinweg etablieren.

Bilder:
Abbildung 1: Pixabay © Susbany  (CC0 1.0)
Abbildung 2: Pixabay © jarmoluk (CC0 1.0)